Pivovar Bernard: Besuch bei einer der spannendsten Brauereien Tschechiens

Tschechien ist für Bierliebhaber ein echtes Paradies. Doch zwischen den großen und international bekannten Namen gibt es zahlreiche Brauereien, die mindestens genauso spannend sind. Eine davon ist die Pivovar Bernard in Humpolec.

Während meiner Reise durch Tschechien hatte ich die Möglichkeit, die Brauerei selbst vor Ort zu besuchen. Dabei ging es nicht nur um Bier, sondern auch um die außergewöhnliche Geschichte eines Unternehmens, das Anfang der 1990er-Jahre praktisch vor dem Aus stand und sich anschließend zu einer der bekanntesten unabhängigen Biermarken Tschechiens entwickelte.

Besonders interessant fand ich dabei die Kombination aus traditioneller tschechischer Lagerbierkultur, modernen Bierspezialitäten und einem wirklich gelungenen Besucherzentrum.

Logo der Pivovar Bernard Brauerei am Gebäude in Humpolec Tschechien
Die Pivovar Bernard in Humpolec – eine der bekanntesten Brauereien Tschechiens.

Was ist die Pivovar Bernard?

Die Rodinný Pivovar Bernard ist eine tschechische Brauerei mit Sitz in Humpolec. Die Geschichte des Brauereistandorts reicht bis ins Jahr 1597 zurück.

Heute ist Bernard vor allem für hochwertige tschechische Lagerbiere bekannt. Gleichzeitig beschränkt sich das Sortiment längst nicht mehr ausschließlich auf klassische Lagerbiere. IPA, Bohemian Ale, dunkle Biere und alkoholfreie Varianten gehören ebenfalls zum Portfolio.

1597 Beginn der Brauereigeschichte
Humpolec Standort der Brauerei
400.000 hl+ Produktion erstmals 2019 über dieser Marke
25 Länder Export in zahlreiche internationale Märkte

Wo liegt die Pivovar Bernard?

Die Brauerei befindet sich in Humpolec in der Region Vysočina, ungefähr auf halber Strecke zwischen Prag und Brünn.

Humpolec ist zwar keine der großen tschechischen Metropolen, gerade das macht den Besuch aber interessant. Wer sich für tschechische Bierkultur interessiert, kann hier eine moderne Brauerei erleben, ohne dass der Ort selbst vom Massentourismus geprägt ist.

Mein Tipp

Wenn du ohnehin eine Reise durch Tschechien planst und dich für Bier interessierst, lohnt sich Humpolec definitiv als Zwischenstopp. Besonders das Besucherzentrum der Pivovar Bernard hat mich positiv überrascht.

Die Geschichte der Pivovar Bernard

Die Geschichte der Brauerei ist wahrscheinlich einer der spannendsten Aspekte von Bernard. Denn aus einer kleinen und wirtschaftlich angeschlagenen Brauerei entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein international bekanntes Unternehmen.

1597 – Die Anfänge der Brauerei

Die Geschichte des Brauereistandorts reicht bis 1597 zurück. Über die Jahrhunderte wechselte die Brauerei mehrfach ihren Besitzer und entwickelte sich gemeinsam mit der Region weiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – Verstaatlichung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei verstaatlicht. 1960 wurde sie schließlich in die Südtschechischen Brauereien České Budějovice integriert.

Wie viele tschechische Brauereien verlor der Betrieb dadurch einen Teil seiner Eigenständigkeit und war Teil der staatlich gelenkten Bierindustrie.

1989 – Das Ende der staatlichen Ära

Nach der politischen Wende begann auch für die Brauerei in Humpolec eine neue Zeit. Der Betrieb wurde reprivatisiert.

Die Ausgangslage war allerdings alles andere als einfach.

1991 – Die Rettung der Brauerei

1991 war die Brauerei technologisch veraltet, wirtschaftlich angeschlagen und hatte mit einem schlechten Ruf sowie sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Eine Schließung stand im Raum.

Am 26. Oktober 1991 wurde die Brauerei schließlich versteigert. Stanislav Bernard, Josef Vávra und Rudolf Šmejkal erhielten den Zuschlag.

Das Mindestgebot lag bei 9,5 Millionen tschechischen Kronen. Am Ende wurde die Brauerei für 45 Millionen Kronen verkauft – fast das Fünffache des ursprünglichen Mindestgebots.

Vom Pleitekandidaten zur Erfolgsstory

Genau diese Geschichte macht Bernard für mich so interessant: Die Brauerei wurde nicht einfach übernommen, sondern musste praktisch komplett neu aufgebaut und positioniert werden.

Die Entwicklung der Produktion

Wie erfolgreich diese Entwicklung war, zeigen die Produktionszahlen. 1991 wurden in Humpolec rund 26.000 Hektoliter Bier produziert. 2019 überschritt die Brauerei erstmals die Marke von 400.000 Hektolitern.

Jahr Produktion
1991 ca. 26.000 hl
2019 über 400.000 hl
Ein großer Lagertank der Brauerei Pivovar Bernard
Einer der imposanten Lagertanks, der das gestiegene Produktionsvolumen von Bernard bewältigt.

Duvel Moortgat steigt bei Bernard ein

Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2001. Die belgische Brauereigruppe Duvel Moortgat übernahm 50 Prozent der Aktiengesellschaft. Stanislav Bernard und Josef Vávra hielten zu diesem Zeitpunkt jeweils 25 Prozent.

Der Einstieg ermöglichte wichtige Investitionen und gab der Brauerei zusätzliche Möglichkeiten für ihre weitere Entwicklung.

Gleichzeitig blieb Bernard seinem eigenen Weg treu. Das passt auch zum bekannten Unternehmensmotto: „Vlastní cestou“ – „Den eigenen Weg gehen“.

Josef Vávra – ein prägender Kopf der Brauerei

Josef Vávra gehörte zu den Personen, die Bernard entscheidend geprägt haben. Am 16. August 2026 verstarb er nach kurzer, schwerer Krankheit.

Sein Tod markiert einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der Brauerei, deren Entwicklung er seit der Privatisierung 1991 maßgeblich mitgestaltet hatte.

Mein Besuch bei Pivovar Bernard

Für mich war der Besuch bei Bernard nicht einfach nur ein kurzer Brauereistopp. Gerade als Biersommelier finde ich es spannend zu sehen, wie eine Brauerei tatsächlich arbeitet und welchen Stellenwert die eigene Bierkultur vor Ort besitzt.

Besonders gut gefallen hat mir das Besucherzentrum. Hier wird die Geschichte der Brauerei mit moderner Präsentation verbunden.

Das Besucherzentrum

Eingang zum Besucherzentrum der Pivovar Bernard in Humpolec
Der Eingang in das Besucherzentrum der Pivovar Bernard in Humpolec.

Das Besucherzentrum wurde 2022 eröffnet und bietet deutlich mehr als einen klassischen Brauereishop.

Neben den Brauereiführungen gibt es unter anderem ein Restaurant, einen Shop, eine Ausstellung, ein Kino sowie einen Aussichtsturm.

Für mich ist das Besucherzentrum deshalb eine klare Empfehlung für jeden, der sich für Bier und Brauereien interessiert.

Die Brauereiführung

Blick in das Sudhaus der Pivovar Bernard
Ein Blick in das glänzende Sudhaus der Pivovar Bernard.

Die Brauereiführung gibt Einblicke in die Produktion und die Geschichte von Bernard.

Ein kleiner Hinweis für deutsche Besucher: Die Führung selbst findet auf Tschechisch statt. Es gibt jedoch Informationsmaterial beziehungsweise Handouts auf Deutsch und Englisch, sodass man trotzdem gut folgen kann.

Sommelier-Notiz

Wenn du kein Tschechisch sprichst, würde ich mich davon nicht abschrecken lassen. Gerade die Kombination aus Führung, Anschauungsmaterial und dem anschließenden Besuch im Besucherzentrum macht die Tour trotzdem lohnenswert.

Zahlreiche Lagertanks im Keller der Brauerei Bernard
Während der Führung bekommt man auch die beeindruckenden Kelleranlagen und Lagertanks zu sehen.

Der Aussichtsturm

Besucherzentrum mit Aussichtsturm der Pivovar Bernard in Humpolec
Das moderne Besucherzentrum mit seinem markanten Aussichtsturm.

Ein besonderes Highlight ist der 33 Meter hohe Aussichtsturm. Bis nach oben führen 189 Stufen.

Der Aufstieg lohnt sich aber: Von oben hat man einen schönen Blick über Humpolec und die Umgebung.

Ein kleines Bier ist bei der entsprechenden Eintrittskarte für Erwachsene ebenfalls inklusive – was bei einer Brauerei natürlich ziemlich passend ist.

Restaurant und Gastronomie

Frisches Tankbier im Restaurant der Pivovar Bernard
Frisches Tankbier direkt im hauseigenen Restaurant genießen.

Zum Besucherzentrum gehört auch ein Restaurant. Dort lässt sich der Brauereibesuch sehr angenehm mit tschechischer Küche und frisch gezapftem Bernard Bier verbinden.

Das Biersortiment der Pivovar Bernard

Und jetzt natürlich zum wichtigsten Teil für einen Biersommelier: Was gibt es bei Bernard eigentlich zu trinken?

Das Sortiment ist deutlich größer, als man beim Namen Bernard zunächst vermuten könnte. Neben klassischen tschechischen Lagerbieren gibt es unter anderem IPA, Bohemian Ale, dunkle Biere und alkoholfreie Varianten.

Besonders interessant ist dabei, dass Bernard traditionelle tschechische Bierstile mit moderneren Bierinterpretationen kombiniert.

Bernard Dvanáctka – der klassische 12°-Lager

4,9 % vol. 37 IBU Helles Lager

Die Dvanáctka ist eines der klassischen Biere von Bernard. Mit 4,9 % Alkohol und 37 IBU steht sie ziemlich exemplarisch für ein tschechisches helles Lagerbier.

Im Vordergrund stehen eine angenehme Malzfülle, ausgewogene Bittere, ein feines Hopfenaroma und ein dichter Schaum.

Wer bei tschechischem Bier an ein klassisches helles Lager denkt, bekommt hier genau das, was man erwartet – allerdings auf qualitativ sehr solidem Niveau.

Bernard Nefiltrovaná 12 – ungefiltert und aromatisch

5,0 % vol. 37 IBU ungefiltert

Noch spannender finde ich die Nefiltrovaná 12. Das helle Lagerbier wird ungefiltert angeboten und wirkt dadurch voller und charaktervoller.

Die Malzfülle ist ausgeprägter, gleichzeitig besitzt das Bier eine deutlich wahrnehmbare Bittere.

Für einen Besuch direkt in der Brauerei ist gerade eine solche Variante besonders interessant, weil man einen Eindruck davon bekommt, wie frisch gezapftes und ungefiltertes Lagerbier wirken kann.

Bernard IPA

5,6 % vol. 53 IBU obergärig

Bernard zeigt mit seinem IPA, dass die Brauerei nicht ausschließlich auf klassische Lagerbiere setzt.

Mit 5,6 % Alkohol und 53 IBU ist es deutlich bitterer als die klassischen Bernard-Lagerbiere.

Aromatisch stehen fruchtige Noten im Vordergrund. Wer normalerweise vor allem tschechisches Pilsner oder Lagerbier trinkt, bekommt hier also eine ganz andere Seite der Brauerei zu sehen.

Bernard Bohemian Ale

8,2 % vol. 26 IBU obergärig Flaschengärung

Noch stärker aus dem klassischen tschechischen Lagerbier-Universum heraus bewegt sich das Bohemian Ale.

Mit 8,2 % Alkohol handelt es sich um ein kräftiges obergäriges Bier. Charakteristisch sind eine frische, fruchtige Aromatik, ein sauberer Malzkörper und ein wärmender Abgang.

Zusätzlich wird das Bier in der Flasche nachvergoren. Das macht es für Bierfans besonders interessant.

Weitere Bernard Biere

Neben den genannten Bieren bietet Bernard noch zahlreiche weitere Varianten. Dazu gehören unter anderem:

Bier Stil / Charakter
Bernard Černá 12 Dunkles Lagerbier
Bernard Jantarová 12 Bernsteinfarbenes Lagerbier
Bernard Černá lavina Kräftigeres dunkles Bier
Bernard Extra hořký ležák Besonders bitteres Lagerbier
Bernard Jedenáctka 11°-Lagerbier
Bernard Free Alkoholfreies Bier
Bernard Grapefruit Fruchtige alkoholfreie Variante

Was macht die Pivovar Bernard besonders?

Für mich ist Bernard vor allem deshalb interessant, weil die Brauerei mehrere Dinge miteinander verbindet.

  • eine jahrhundertealte Brauereigeschichte
  • eine außergewöhnliche Rettung aus einer wirtschaftlichen Krise
  • traditionelle tschechische Lagerbiere
  • moderne Bierstile wie IPA und Bohemian Ale
  • ein sehr gut gemachtes Besucherzentrum
  • eine starke eigene Markenidentität

Hinzu kommt die Philosophie „Vlastní cestou“ – also den eigenen Weg zu gehen. Genau diese Eigenständigkeit finde ich bei Bernard sympathisch.

Mein persönlicher Eindruck

👍 Das gefällt mir

  • spannende Geschichte
  • sehr schönes Besucherzentrum
  • große Sortimentsbreite
  • klassische tschechische Lagerbiere
  • interessante Spezialitäten
  • Aussichtsturm als zusätzliches Highlight

👎 Das sollte man wissen

  • Führung auf Tschechisch
  • deutsche Informationen nur ergänzend
  • Humpolec liegt nicht auf jeder klassischen Tschechien-Reiseroute

Mein Fazit zur Pivovar Bernard

9 / 10

Die Pivovar Bernard ist für mich definitiv eine Brauerei, die man als Bierfan einmal besucht haben sollte.

Besonders spannend ist die Geschichte. Aus einer wirtschaftlich praktisch gescheiterten Brauerei wurde innerhalb weniger Jahrzehnte ein international erfolgreiches Unternehmen.

Dazu kommt ein Sortiment, das sowohl Fans klassischer tschechischer Lagerbiere als auch Freunde modernerer Bierstile anspricht.

Mein persönliches Highlight ist aber das Besucherzentrum. Die Kombination aus Brauereiführung, Ausstellung, Bier, Gastronomie und Aussichtsturm macht den Besuch deutlich abwechslungsreicher als bei vielen klassischen Brauereibesichtigungen.

Wenn du in Tschechien unterwegs bist und dich für Bier interessierst: Bernard auf die Liste setzen.

Praktische Informationen zur Pivovar Bernard

Brauerei Rodinný Pivovar Bernard
Adresse Jihlavská 1820, 396 01 Humpolec, Tschechien
Besucherzentrum Ja
Brauereiführungen Ja
Führungssprache Tschechisch
Informationen Deutsch und Englisch verfügbar
Aussichtsturm 33 Meter / 189 Stufen
Restaurant Vorhanden
Mein Tipp für deinen Besuch

Plane nicht nur eine schnelle Brauereiführung ein. Nimm dir etwas Zeit für das Besucherzentrum, den Aussichtsturm und natürlich ein frisch gezapftes Bernard Bier.

Häufige Fragen zur Pivovar Bernard

Wo befindet sich die Pivovar Bernard?

Die Pivovar Bernard befindet sich in Humpolec in der Region Vysočina in Tschechien.

Seit wann gibt es die Pivovar Bernard?

Die Geschichte des Brauereistandorts reicht bis ins Jahr 1597 zurück.

Wann wurde Bernard privatisiert?

Die entscheidende Privatisierung erfolgte 1991. Stanislav Bernard, Josef Vávra und Rudolf Šmejkal erwarben die Brauerei bei einer Auktion.

Wer ist bei Bernard beteiligt?

2001 übernahm die belgische Brauereigruppe Duvel Moortgat 50 Prozent der Aktiengesellschaft. Stanislav Bernard und Josef Vávra hielten zu diesem Zeitpunkt jeweils 25 Prozent.

Kann man die Pivovar Bernard besichtigen?

Ja. Die Brauerei verfügt über ein Besucherzentrum mit Führungen, Ausstellung, Gastronomie, Shop und Aussichtsturm.

Gibt es die Führung auf Deutsch?

Die Führung findet auf Tschechisch statt. Für deutsche und englische Besucher stehen jedoch entsprechende Informationsmaterialien zur Verfügung.

Welche Biere produziert Bernard?

Zum Sortiment gehören unter anderem klassische helle Lagerbiere, ungefiltertes Lager, IPA, Bohemian Ale, dunkle Biere, alkoholfreie Varianten und weitere Spezialitäten.

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