Moin liebe Bierfreunde!
Der Bierstil „Helles“ erlebt seit Jahren einen unfassbaren Boom in Deutschland. Zwar ist das klassische Pils mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent weiterhin die unangefochtene Nummer eins der Deutschen, doch die milden, süffigen Hellen holen rasant auf. Dieser Trend ist so gewaltig, dass selbst Brauereien auf den Zug aufspringen, die man eigentlich mit einem völlig anderen Bierstil assoziiert.
Genau das hat die Privatbrauerei Erdinger Weißbräu gemacht. Unter der neu geschaffenen Dachmarke „Erdinger Brauhaus“ brachte der Weißbier-Gigant 2022 plötzlich ein Helles (und ein Natur Radler) auf den Markt. Aber kann eine Brauerei, die für obergäriges Weißbier weltberühmt ist, plötzlich ein untergäriges, bayrisches Helles brauen? Ich habe mir die Flasche geschnappt und den Sommelier-Test gemacht!
⚡ Quick-Check: Erdinger Brauhaus Helles
- Bierstil: Bayerisches Helles
- Brauerei: Erdinger Weißbräu, Erding
- Alkoholgehalt: 5,1 % Vol.
- Sommelier-Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆ (7/10)
Sommelier-Fazit vorab: Ein klassisches, grundehrliches Helles ohne große Ecken und Kanten. Es macht genau das, was es soll: Es ist extrem mild, malzig und gefährlich süffig.
Warum macht Erdinger jetzt ein Helles?
Die Entscheidung von Erdinger, ein Helles auf den Markt zu bringen, war ein cleverer strategischer Schachzug. Der Weißbier-Markt stagniert seit Jahren leicht, während die Nachfrage nach süffigen, milden Bieren im „Retro-Look“ (wie z.B. Augustiner oder Tegernseer) durch die Decke geht. Um sich optisch von ihren weltbekannten Weißbieren abzugrenzen, hat Erdinger bewusst auf die etablierte „Euro-Flasche“ und ein traditionelles, etwas rustikaleres Etikettendesign gesetzt. Optisch verspricht die Flasche bayrische Gemütlichkeit – aber wie sieht es im Glas aus?
Der Biersommelier-Test: So schmeckt das Erdinger Helle
Kronkorken ab und rein ins Verkostungsglas!
- 👀 Optik: Das Bier fließt herrlich klar und in einem strahlenden, hellen Goldgelb ins Glas. Obenauf thront ein schneeweißer, feinporiger Schaum, der sich gut im Glas hält.
- 👃 Geruch (Nosing): Die Nase bekommt genau das, was man von einem bayerischen Hellen erwartet. Es steigen sofort deutliche, frische Getreidenoten und eine feine, weiche Malzigkeit auf. Hopfenaromen (wie man sie von einem Pils kennt) spielen hier kaum eine Rolle.
- 👅 Geschmack (Palate): Der Antrunk ist leicht spritzig, aber sofort sehr weich. Auf der Zunge dominiert eine deutliche, angenehme Malzsüße, gepaart mit feinen Brotaromen. Das Bier ist extrem mild und verzichtet komplett auf bittere Spitzen.
- 👋 Abgang (Finish): Im Abgang bleibt die milde Malzigkeit erstaunlich lange erhalten. Es hinterlässt ein weiches Mundgefühl, das sofort den Drang nach dem nächsten Schluck auslöst (hohe „Drinkability“).
Fazit: Ja, Erdinger kann auch Helles!
Das Erdinger Brauhaus Helles ist ein handwerklich sehr sauberes, klassisches bayrisches Helles. Es erfindet das Rad nicht neu, aber das will es auch gar nicht. Es liefert exakt das ab, was Fans dieses Bierstils suchen: Es ist wunderbar mild, getreidig und unheimlich süffig. Wer den herben Biss eines Pilseners sucht, wird hier nicht glücklich – wer aber ein entspanntes Feierabendbier für laue Sommerabende sucht, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Prost, euer Matthias! 🍻
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