Moin liebe Whisky-Freunde!
Jim Beam – wohl neben Jack Daniel’s eine der bekanntesten Whiskey-Marken der Welt. Vor allem das „White Label“ hat wohl fast jeder schon mal gesehen oder sogar probiert. Weltweit in Supermärkten und Bars vertreten, landet der Standard-Beam meistens in Longdrinks und Cocktails. Für den puren Genuss ist er ehrlicherweise eher weniger geeignet.
Aber wusstest du, dass das White Label einen größeren Bruder hat? Den Jim Beam Black Label. Als ich vor Kurzem im Supermarkt über ihn gestolpert bin, musste ich eine Flasche zum Probieren mitnehmen. Kann die „hardest working still in America“ auch Whiskey, der sich zum puren Genuss eignet? Schauen wir uns den großen Bruder mal genauer an!
⚡ Quick-Check: Jim Beam Black Label
- 🥃 Typ: Kentucky Straight Bourbon Whiskey
- 🌍 Region: Kentucky, USA
- 🪵 Fasstyp: Ausgebrannte Weißeichenfässer (Virgin Oak)
- ⏳ Alter: 7 Jahre
- 📈 Alkoholgehalt: 45 % Vol.
- ⭐ Sommelier-Bewertung: ⭐⭐☆☆☆ (4/10 – Rustikal & kräftig)
Fazit vorab: Der Black Label ist deutlich reifer und komplexer als der Standard-Beam. Pur durchaus trinkbar, aber im Geschmack leider etwas unrund. Für 20 € gibt es elegantere Alternativen.
Die Fakten: Was unterscheidet den Black vom White Label?
Nicht nur die Reifezeit ist ein massiver Unterschied zum Original, sondern auch der Alkoholgehalt. Statt der üblichen 4 Jahre verbringt der Black Label 7 Jahre in den stark ausgebrannten Weißeichenfässern und wird anschließend mit kräftigen 45 % Vol. (statt 40 %) ohne zusätzlichen Farbstoff abgefüllt.
Dementsprechend kostet er mit rund 20 € auch ungefähr das Doppelte des Originals. Die Aufmachung der Flasche wirkt bereits deutlich hochwertiger, auch wenn uns beim Öffnen immer noch ein schlichter Drehverschluss statt eines Korkens begrüßt. Im Glas zeigt er sich dann aber von seiner besten Seite: Obwohl er nicht gefärbt ist, leuchtet er in einem wunderschönen, dunklen Bernstein. Die längere Reifung sieht man ihm definitiv an.
Exkurs: Warum riecht Bourbon oft nach Klebstoff?
Wer seine Nase zum ersten Mal tief in ein Glas Bourbon steckt, zuckt oft kurz zurück: Da ist direkt diese stechende Klebstoffnote. Keine Sorge, das ist kein Fehler, sondern Bourbon-Chemie pur!
Der Grund hierfür ist der chemische Stoff Ethylacetat. Es handelt sich hierbei um einen Ester, der entsteht, wenn Essigsäure mit Ethanol reagiert. Da Bourbons bei sehr hohen Temperaturen in riesigen Column Stills (Säulendestillen) gebrannt werden, entstehen extrem viele dieser Ester. Wenn das frische Destillat dann in die stark ausgebrannten Eichenfässer kommt, trifft es auf eine hohe Konzentration von Holzzucker und Säure – das befeuert die Bildung dieser „Uhu“-Noten noch weiter. Der Trick: Da es sich um eine hochflüchtige Verbindung handelt, verschwindet der Klebstoffgeruch nach ein paar Minuten Kontakt mit Sauerstoff im Glas fast vollständig.
Der Test: Tasting Notes
- 👃 Aroma (Nosing): Direkt nach dem Einschenken dominiert die eben erwähnte, starke Klebstoffnote. Lässt man ihn jedoch kurz atmen, verschwindet diese schnell. Danach breiten sich die typischen Bourbon-Noten aus: Kräftige Vanille, süßes Karamell, eine leichte Würze und sehr deutliche Eichenaromen.
- 👅 Geschmack (Palate): Er tritt vollmundig und sehr würzig an. Die Eiche ist präsent, begleitet von leichten Karamell- und Vanillenoten. Insgesamt wirkt er kräftig und rustikal, lässt aber ein wenig die Balance vermissen – das Mundgefühl ist eher „unrund“.
- 👋 Abgang (Finish): Der Nachhall ist erstaunlich lang, fällt aber vergleichsweise sanft aus. Am Gaumen bleiben hauptsächlich süßes Karamell und trockene Eiche zurück.
Fazit: Rustikaler Arbeiter mit Ecken und Kanten
Der Black Label ist zweifellos der ältere Bruder vom White Label – und das merkt man im Geschmack, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Er ist deutlich reifer, bringt mehr Komplexität mit und ist definitiv pur trinkbar. Wer einen kräftigen, holzigen Bourbon ohne viel Schnickschnack sucht, wird hier fündig.
Aber ehrlicherweise empfand ich ihn insgesamt als etwas zu unrund. Für rund 20 € tummeln sich auf dem Markt bereits echte Hochkaräter. Wer puren Bourbon-Genuss mit mehr Eleganz sucht, greift meiner Meinung nach besser zur direkten Alternative: dem Buffalo Trace.
Slàinte mhath, euer Matze! 🥃
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