
Hand aufs Herz: Als Biersommelier beschäftige ich mich meistens mit Craft Beer, feinen Hopfenaromen und handwerklicher Braukunst. Aber sind wir ehrlich – manchmal steht man vor dem Regal im Discounter und fragt sich bei Preisen um die 50 Cent: „Kann man das trinken?“
Heute wage ich mich für euch an das „Hopfenseer“, die Eigenmarke von NORMA. Ist es ein Geheimtipp für die nächste Grillparty oder sollte man lieber einen großen Bogen darum machen? Ich habe das Helle sensorisch analysiert und verrate euch auch, wer vermutlich hinter der Marke steckt.
Wer braut eigentlich Hopfenseer?
Das ist die Frage, die Google am häufigsten gestellt wird. Discounter wie NORMA betreiben keine eigenen Brauereien. „Hopfenseer“ ist eine reine Handelsmarke. Auf dem Etikett ist auch ein Hinweis das es nicht am Hopfensee gebraut wird sondern im Augsburger Land. Die Spur bei Discounter Bieren führt meistens zu den großen „Lohnbrauern“ Deutschlands, meist der Oettinger Brauerei oder dem Frankfurter Brauhaus. Der Hinweis auf das Augsburger Land lässt jedoch vermuten das dahinter die Brauerei Ustersbach steckt. Dies ist jedoch reine Vermutung.
Verkostung
Kommen wir zum Wesentlichen. Beim Hopfenseer Hell handelt es sich um ein Helles Vollbier mit 4,9% Alkohol. Abgefüllt wird es in 0,5l EURO-Flaschen und für 59 Cent die Flasche verkauft (20×0,5l Kasten 11,80€). Ich habe das Bier bei ca. 7 Grad aus einem Verkostungsglas probiert.
1. Optik
Im Glas steht es goldgelb und glanzfein (gefiltert). Die Schaumkrone ist anfangs da, mittelporig, fällt aber relativ schnell in sich zusammen. Ein typisches Zeichen für Biere mit weniger Hopfenölen, die den Schaum stabilisieren könnten.
2. Geruch (Nase)
In der Nase ist wenig los. Ein bisschen Malzsüße, eine leicht strohige Note und – wenn das Bier wärmer wird – ein ganz leichter Hauch von Metall (typisch für Extrakt). Es fehlt die frische „Blume“, die man von hochwertig gehopften Hellen kennt.
3. Geschmack (Mundgefühl & Abgang)
Der Antrunk ist spritzig (viel Kohlensäure), was es erstmal erfrischend macht. Der Körper ist jedoch sehr schlank – um nicht zu sagen: wässrig. Die Malzsüße ist da, wirkt aber etwas eindimensional. Im Abgang kommt dann der Hopfenextrakt durch: Eine Bittere, die nicht aromatisch am Gaumen bleibt, sondern eher kurz und etwas stumpf nachhängt.
Mein Urteil zum Hellen: Es ist ein durchaus solides bayerisches Helles für den kleinen Geldbeutel.
Mein Fazit
Lohnt sich der Kauf? Es kommt darauf an, was du vorhast.
- Für das Genuss-Tasting am Kamin: Nein. Definitiv nicht. Hier fehlt es an Körper, Aromahopfen und Liebe zum Detail.
- Als Feierabendbier oder für das Festival / Flunkyball / Studentenfete: Ja. Für 59 Cent bekommt man ein technisch sauberes Bier, das niemanden weh tut.
Das Hopfenseer ist der Beweis, dass man auch für wenig Geld Bier brauen kann, aber eben an der teuersten Zutat sparen muss: Dem Aromahopfen und der Reifezeit.
Hast du das Hopfenseer schon mal probiert? Warst du überrascht oder hast du es direkt weggekippt? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare – ich bin gespannt wie es euch schmeckt.


